Lutz Fischer betreibt Karate aus echter Leidenschaft

Der 5. Dan ist nächster Teil des Eckpfeilers

Lutz Fischer betreibt Karate aus echter Leidenschaft

VON JAN BRÖHAN – 23.04.2015 Stader Tageblatt

STADE. Karate war Anfang der 1970er Jahre recht neu in Deutschland und übte auf den Jura-Studenten Lutz Fischer, „einen ganz besonderen Reiz“ aus, als es 1973 an der Universität als Freizeitsport Angeboten wurde. Karate wurde zu „einem Eckpfeiler“ im Leben des Stader Richters. 1989 legte er die Prüfung zum Schwarzgurt, dem 1. Dan, ab, nun hat der 62-jährige Ruheständler den 5. Dan erreicht.

Lutz Fischer hat seinerzeit aus reiner Neugierde seine Passion gefunden, Karate begleitet ihn seit mehr als 40 Jahren durch alle Lebensphasen und hilft auch schwere Zeiten zu meistern. Ein Da-sein ohne Karate ist mittlerweile nicht mehr vorstellbar“, sagt Fischer. Als Kind machte er, ein Schwimmen was und bisschen dies, ein bisschen das, Skifahren, Schwimmen – was man halt so macht“, erzählt er. Nichts hat ihn gepackt. Das Segelfliegen in der Zeit nach der Bundeswehr war da schon etwas anderes. Doch dann kam Karate. Und ein Leben ist, nicht genug für beides“, sagt Fischer – lacht, beides, Karate wie Segelfliegen, beanspruche, ernsthaft viel Zeit“. Zumindest wenn es ein Lutz Fischer betreibt.

Der 5. Dan ist schon Ausdruck dieser Ernsthaftigkeit genug. Zwischen den Meistergraden liegen Wartezeiten, je höher, desto länger. Den 6. Dan kann Fischer beispielsweise frühestens mit 67 Jahren erreichen. Zudem werden die Prüfungen immer anspruchsvoller und komplexer. Man geht trocken rein und fühlt sich danach, als hätte man in der Badewanne gesessen“, so Fischer. Als er mit Karate anfing, gab es in Deutschland nur einen einzigen 1. Dan-Träger. ,,Das war damals das höchste aller Gefühle für mich.“ Der 5. Dan bedeutet Fischer viel. Mehr bedeutet ihm aber seine Lehrtätigkeit ernsthaft und zeitintensiv, vor allem aber leidenschaftlich. Fischer ist A-Prüfer des Deutschen Karate Verbandes (DKV), darf Schwarzgurtprüfungen durchführen. Seit 1984 unterrichtet er im Landkreis Stade, vierjährige Knirpse bis zu über 70-Jährige“, seit 2012 in der eigenen Karate Academy Zanshin an verschiedenen Standorten. Bald stehen ihm wieder 40 Prüfungen bevor. Als Karatelehrer sieht sich Fischer am liebsten, am liebsten würde er jedermann unterrichten, an Schulen als Gewaltprävention oder von Krankenkassen empfohlenen Gesundheitssport legt er jedem ans Herz. Ohne dabei Werbung machen zu wollen, es ist nur seine eigene Leidenschaft, die spricht. Ich hatte einst einen Schüler, der konnte nicht mal über den Tisch gucken, heute ist der zwei Meter groß – und mein Patenkind.“ Anekdoten des leidenschaftlichen Karatelehrers. Die Verbandsarbeit ist nicht minder ernsthaft zeitintensiv. Der vielfach ausgezeichnete Fischer ist Vorsitzender des Rechtsausschusses im Karate Verband Niedersachsen und stellvertretender Vorsitzender des DKV-Schiedsgerichts. Sein Arbeitszimmer im Wiepenkathener Eigenheim ist voll mit Literatur, Zeitschriften, Urkunden, der Schreibtisch mit Akten. Karate ist eben Eckpfeiler seiner Existenz.

Bundesverband beruft Lutz Fischer aus Stade ins Schiedsgericht des Deutschen Karate-Verbandes

Richter mit schwarzem Gürtel

Bundesverband beruft Lutz Fischer aus Stade ins Schiedsgericht des Deutschen Karate-Verbandes

01.03.2013 Stader Wochenblatt

STADE. Seit 40 Jahren ist Lutz Fischer im Karatesport aktiv. Er hat den 4. Dan, ist Leiter verschiedener Karategruppen im Kreis Stade, die im vergangenen Jahr zur „Karate Academy Zanshin“ mit Standorten in Stade, Buxtehude und Drochtersen fusionierten. Im November des vergangenen Jahres wurde er in der Bundesversammlung des Deutschen Karate Verbandes zum Richter des DKV-Schiedsgerichtes gewählt. Am 27. Januar nahm das Fünfer-Gremium mit der konstituierenden Sitzung die Arbeit auf.

Die Riesenmenge an Arbeit befürchtet der frühere Staatsanwalt und Richter am Landgericht in seinem neuen Amt nicht. Allerdings haben ihre Vorgänger dem neuen Schiedsgericht einen heiklen lang andauernden Streitfall hinterlassen. 1000 Seiten Schriftwerk füllen bereits die Aktenordner. Das Schiedsgericht darf sich gleich voll in die Arbeit stürzen. Das Vorschriftenwerk des Deutschen Karate-Verbandes, das auch den Katalog an Maßnahmen und möglichen Sanktionen beinhaltet, umfasst 400 klein-beschriebene Seiten.

Danach ist das Schiedsgericht sowohl zuständig bei Verstößen gegen die Satzung, Ordnungen und Beschlüsse des Deutschen Karate-Verbandes als auch bei Streitigkeiten der Verbandsorgane, der Vereine und der Mitglieder untereinander. Das Schiedsgericht kann dabei nicht nur das Bestehen oder Nichtbestehen eines Rechtsverhältnisses feststellen oder Rechtsverhältnisse gestalten. Es kann auch bestimmte Strafen aussprechen, nämlich Verbandsausschlüsse verfügen, Ermahnungen, Verwarnungen und Verweise aussprechen, Mitgliedschaftsrechte entziehen und Geldbußen verhängen.

Dem Deutschen Karate-Verband gehören 170 000 Mitglieder in 2400 Vereinen an. Für den pensionierten Richter sind Rechtsstreitigkeiten natürlich nicht fremd. Und auch im Schiedsgericht ist er ein erfahrener Spezialist. Seit 2004 gehört Lutz Fischer dem Rechtsausschuss des Karate-Verbandes Niedersachsen an und führt diesen seit 2008 als Vorsitzender. Auch hier ist ein tischhoher Stapel an Unterlagen zusammen gekommen. 250 Vereine gilt es in Niedersachsen zu betreuen.

Die Liste der Aktivitäten in 40 Jahren Karate ist lang. Es begann 1973 während des Jura-Studiums in Göttingen. Dort wurde ein Karate-Kurs angeboten, einer damals noch annähernd neuen und unbekannten Kampfkunst in Deutschland. Einen Kick zur Teilnahme gab das Fernsehen. Aber das war keiner der Stars, wie Jean-Claude Van Damme in den bekannten Kino-Produktionen – die kamen später. Es war Karate-Lady Emma Peel, die damals gemeinsam mit Partner John Steed in der TV-Serie ,,Mit Schirm, Charme und Melone die Bösewichte zur Strecke
brachte.

Lutz Fischer ist nicht zum Karate-kämpfenden Geheimagenten geworden, aber zum leidenschaft lichen Karateka als aktiver Kämpfer, Trainer, Kampfrichter und Prüfer. „Wenn ich etwas mache,
dann mache ich es richtig“ so seine Devise. So blieb für seine zweite Leidenschaft, der Segelfliegerei, keine Zeit mehr. Dafür kommen in diesem Jahr 40 Jahre Karate-Sport zusammen, in denen er Hunderte von Lehrgängen im In- und Ausland besucht hat.

Lutz Fischer gibt sein Wissen gern als Trainer weiter. (mb)

Lutz Fischer

1989 1. DAN, 2002 2. DAN, 2005 3. DAN, 20104. DAN. Seit 1985 F-Übungsleiter Karate, Seit 1995 Trainer C, 1996 Trainer B, 1991 Prüfer D, 1999 Prüfer B; 1979 Bezirkskampfrichter, 1980,1982 Prüfungen als Landeskampfrichter. 1984-1989 1. Vorsitzender des Karate Sport Club Stade. 1984 Gründung des Dojo Drochtersen und seitdem dort Trainer und Dojoleiter, 1989 Dojo , Palazzo Stade“, 1999 Dojo Fitsport Stade“, 2001 Dojo ,Fitsport Buxtehude“. 2012 Fusion der Dojos in Stade, Buxtehude und Drochtersen zur Karate Academy Zanshin mit mehreren Standorten. 2003 Verleihung der Goldenen Ehrennadel des Karate Verbandes Niedersachsen und 2004 Mitglied im Rechtsausschuss. Seit 2008 Vorsitzender des Rechtsausschusses. Seit 2012 Richter im Schiedsgericht des Deutschen Karate Verbandes. Seit vielen Jahren Diverse Projektwochen an Schulen im Sport und zur Gewaltprävention.

Foto Borchers